New Zealand – Paradise
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Hokitika Gorge – Franz Josef Glacier – Fox Village/Fox Glacier – Haast Pass – Wanaka – Arrowtown – Queenstown – Routeburn Track oestliches Ende – Queenstown – Te Anau – Milford Sound – Te Anau – Invercargill |
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Sechs Tage | |
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1527 km | |
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Ø 254 Km/Tag: | |
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Das Sonne, Humboldt Falls, Clifden Caves, Milford Sound, Fox Gletscher, Franz Josef Gletscher, Queenstown, Blue Pool mit der Haengebruecke |
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Gibt es etwas nicht so tolles im Paradies? Moment, ich schau mal gerade… Nein! |
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Blue Mountains
Eine falsche Bewegung und ich stürze unkontrolliert in die Tiefe. Barfuß hocke ich mit dem linken Fuß auf dem Holzbalken, mein rechter versucht das wackelige Metallseil zu umfassen, das hin und her schwingt. Ich bin ungesichert. Wenigstens der linke Fuß steht fest auf dem Balken, neun Meter über dem Boden. Adrenalin pur. Ich bin hochkonzentriert. Versuche Balance zu halten. Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung und ich stürze.
Eigentlich kann nichts passieren. Das Wasser müsste tief genug sein. Eben sind Andreas und ich in das eiskalte Nass gestiegen um zu sehen, wie tief es wirklich ist. Von hier oben kann man es nicht genau einschätzen. Weil es glasklar ist, sieht das flache Ufer gleich tief aus wie die Mitte des Flusses. Doch da wo die zwei dicken Steine in der Mitte zu sehen sind, zumindest da, kann nicht einmal Andreas stehen. Das Wasser wird dort zwischen 2 und 2,50m tief sein. Aber eben nicht überall: An den meisten Stellen ist es viel flacher.
Eine falsche Bewegung! Wenn jetzt etwas passiert, ich die Balance verliere… Wenn ich die Balance verliere und von der neun Meter hohen Brücke in die Tiefe stürze… Wenn ich nicht in den Bereich falle, der zwei Meter fünfzig oder so tief ist… Weit und breit gibt es an dem Blue Pool kein Springverbotsschild. Weit und breit gibt es hier aber wahrscheinlich auch keinen Arzt. Und Handyempfang schon gar nicht.
Ich sammel mich. Bin jetzt hochkonzentriert. Meine Hände umklammern das Geländer – um zu springen muss ich mich komplett aufrichten. Balance! Meine Rechte löst sich – ich zitter! Zu schnell beweg’ ich mich – und fasse schnell wieder mit beiden Händen zu. Spannung. Ich schließe meine Augen, konzentriere mich. Langsam löse ich beide Hände vom Geländer und richte mich auf. Kerzengerade stehe ich auf dem Geländer der Brücke. Ungesichert. Unter mir rauscht das eiskalte Wasser. Der Puls rast. Spring! Nein, tu’ es nicht! Spring! Ich bin ungesichert! Keine Vorsichtsmaßnahmen. Das Wasser ist eiskalt. Es kommt direkt aus den Bergen! „Spring!“ schreit jetzt auch Andreas. Stress.
Adrenalin schießt mir in den Kopf. Das Ambiente ist so wunderschön! Kristallklares Wasser neun Meter unter mir. Links und rechts riesige mit Pflanzen bewachsene Felsen verbunden über die Brücke, auf der ich aufgerichtet balanciere. Die Sonne scheint, am Himmel ist keine Wolke.
Reichen die knapp über zwei Meter um mich im Wasser nach dem Sprung zu bremsen? Oder werde ich auf den Grund knallen? Schaffe ich es genau in den Bereich zu springen, der so tief ist? Ich bin so aufgeregt. Egal. Ich springe!
Eins.
Zwei.
Drei.
Freier Fall. Ins Paradies.
Der Moment gehört mir!
Samstag, 30. Januar 2010
Ist es ein Wunder, dass die Dorothy Falls eines meiner Highlights sind? Nein! Schließlich tragen sie den Namen meiner Mutter – da kann sich nur etwas Wunderschönes hinter verbergen! Aus gut 20 Metern Höhe fällt das Wasser über Felsvorsprünge sprudelnd in ein Basin – die perfekte Einladung zum Schwimmen, wenn es nicht bewölkt und morgens gegen 7 einfach zu kalt gewesen wäre…
Wolkenverhangen beginnt der erste Tag des vierten Teils meiner Reise. Auf der Fahrt nach Franz Josef, wie die Ortschaft heißt, an der der Franz Josef Gletscher im Tal endet, scheint es, dass die Wolken die vor uns liegende Pracht erst offenlegen wollen, wenn wir an unserem Ziel ankommen.
Vor der Tür stehend – quasi anklopfend und voller Erwartung den Kopf gen Wolkenvorhang hebend – verziehen sich die düsteren Wolken. Von jetzt auf gleich eröffnet sich mir Natur in wundervollster Vollendung: Riesige Berge, bedeckt mit weißen Schneekuppen, blauer Himmel und ein riesiger Gletscher! Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich die surreal wirkende Eiszunge des Franz Josef Gletschers.

In Jahrhunderten grub sich der Gletscher tief in den Stein. An den Felsen bilden sich noch heute traumhafte Wasserfaelle.

Die Zunge des Gletschers: Der gelbe Punkt zwischen dem "gl" und der rote Punkt ueber dem "dp" sind beides Menschen. Der Gletscher ist massiv.
Der Plan für heute: Gletscher unter Eigenregie erkunden. Das bedeutet, dass wir nicht drauf (weil zu gefährlich) aber drumherum können. Die erste unglaublich beeindruckende Wanderung führt uns durch die karge Steinlandschaft, die vor Jahren noch voll von Eis war, bis fast zur Spitze des Gletschers. Weil hier aber stets Eis bricht und runterfällt und uns Felsen von den Bergen in einem Erdrutsch leicht begraben könnten, ist Anfassen heute erst einmal verboten. Aber so nah am ewigen Eis zu stehen ist Erlebnis genug.
Vielleicht dachte sich auch das Wetter, dass das erst einmal genug war. Schwupps, Wolken wieder vor die Sonne. Fertig. Nun ist es nicht so, dass wir uns nicht auch anders beschäftigen können: Der Tatare Tunnel Walk führt uns etwas weg vom Gletscher zu einem alten Tunnel, der vor Jahren von Goldgräbern zur Wassergewinnung gegraben wurde. Auch heute ist so viel Wasser drin, dass wir nicht weit rein können, ohne knietief im kalten Nass zu stehen.
Beim Sentinel Rock Walk, einem kurzen Wanderweg auf einen Berg, zeigt sich die Sonne wieder von ihrer besten Seite und beschert uns einen wundervollen Blick auf den Gletscher, der schließlich sogar getoppt wurde: Am Peter’s Pool sehen wir alles gleich doppelt: Eine perfekte Wasserspiegelung sorgt für das endgültige Überreizen der Wow!-Sinne! (Wie oft sieht man den Gletscher hier eigentlich, wenn man besoffen ist?)
Abends fahren wir schnell „um die Ecke“ in die nächste Ortschaft, die auch nur wegen eines Gletschers existiert: Fox Village. Mit der untergehenden Sonne, die das Eis der Bergspitzen von Mount Tasman und Mount Cook, den beiden höchsten Bergen Neuseelands, langsam goldgelb und schließlich orange färbt, lassen wir den Abend am Peak Point Lookout mit Rachel und Suzie ausklingen, die wir hier kennenlernen.
Sonntag, 31. Januar 2010

Bevor es auf den Gletscher geht, machen wir eine wunderschoene Wanderung um einen weiteren See, in dem sich die massiven Berge spiegeln.

Bevor es auf den Gletscher geht, machen wir eine wunderschoene Wanderung um einen weiteren See, in dem sich die massiven Berge spiegeln.
Ein Sonntag, der seinem Namen alle Ehre macht. Der ganze Tag auf ewigem Eis! Bis zu 150 Jahre alt ist das Eis am Fox Gletscher, den wir heute unter Anleitung eines professionellen Gletscherführers besteigen. Die Umgebung, in der der Gletscher ist, ist einzigartig: Weil hier tief unter uns zwei tektonische Platten aufeinanderknallen, ist das Land ganz flach, bis plötzlich – nur 15 Kilometer Luftlinie vom Ozean entfernt – Berge massiv aus dem Boden heraus gen Himmel aufsteigen. Mit 3800 Metern Höhe mächtig emporstehend und über den anderen Bergen wachend: Mount Cook. Er und die anderen Berge wachsen immer noch: täglich in dem Tempo eines Fingernagels. Weil das Meer nur um die Ecke ist, küsst der Gletscher fasst das Meer – ein unglaubliches Szenario!
Nachdem wir vom Parkplatz gute zwei Kilometer in Richtung Gletscher marschieren und einen Hang mit hunderten Stufen hochklettern, können wir in sicherer Höhe den Gletscher betreten. Die ersten Schritte auf dem ewigen Eis fühlen sich ganz merkwürdig an. Den Alpenstock (der übrigens auch auf englisch so heißt) als Gehhilfe in der Hand, machen wir uns langsam auf, den drittgrößten Gletscher Neuseelands zu erkunden.
Wir klettern hoch und höher und unser Guide Stu muss mit dem Eispickel einen Weg für uns schlagen. Hier oben ist das Eis tiefblau, weil unter massivem Druck Luft eingesperrt wurde. Wir klettern höher und höher – ich hätte nie gedacht, dass wir in den knapp sechs Stunden auf dem Eis so verdammt hoch kommen. Weil der Gletscher stehts in Bewegung ist, sich sogar in dem Moment in Richtung Tal bewegt, in dem wir auf ihm stehen, ist keine Tour wie die Andere: Jeden Tag aufs Neue entdecken die Führer neue Wege den Gletscher hoch hinauf. Der Fox Gletscher gehört mit 14 km Länge zu den Formel-1-Gletschern: Er bewegt sich an einigen Stellen um bis zu fünf Meter am Tag!

Majestetisches Blau: Ein tiefer kleiner Krater im Gletscher. Wir schmeissen einen Stein hinein um zu sehen wie lange es bis zum Aufprall dauert. Es sind wahrscheinlich einige Meter...
Fast am Ende der Tour – wir wollen gerade umkehren – entdeckt unser Führer eine Höhle, die er für uns sichert und präpariert: Wie im Film ist das Eis hier tiefblau und vom Wasser glatt geschliffen. Jeder darf einen Blick in die mit Schmelzwasser gefüllte Höhle werfen, in der kleine Eisbrocken schwimmen. Surreal. Im Hochsommer mit kurzer Hose und T-Shirt stehen wir – knapp 1,5 km den Gletscher hochgewandert – in einer Eishöhle und frieren nicht einmal.
Bevor wir uns nach diesem unvergesslichen Tag auf dem Eis unseren wohlverdienten Schlaf holen, fahren wir mit Bongo ein bisschen weiter in Richtung Haast und den Haast Pass. Etwas vom Meer sind wir nun in der Haast Schlucht, durch die der mächtige Haast River fließt. Doch das riesige Flussbett ist trocken und aus dem großen Fluss ein kleiner Bach geworden. Wir erinnern uns, dass es hier eigentlich pausenlos regnet. Nur zurzeit nicht. Wir haben Glück! Durch die dicht mit Bäumen bewachsenen, hunderte Meter hohen Hänge links und rechts von uns erahnen wir enorme Wasserfälle. Morgen früh stehen im Haast Pass einige auf der to-do-Liste.
Montag, 1. Februar 2010
Am Ende dieses Tages frage ich mich: womit habe ich das verdient? FREEDOM. Freiheit. Am Besten kann man die Situation und Stimmung, in der ich mich gerade befinde, so beschreiben: _______________.
Ruhe. Himmlische Ruhe. Keine Menschen. Keine Tiere. Keine Autos. Keine Maschinen. Kein Laut. Ich sitze vor der Schiebetür von Bongo, die Füße hochgelegt im zweiten Stuhl, der Tee rechts von mir auf dem Boden. Mit der Kopflampe erleuchte ich die wunderbar nützliche Kladde, die mir das Lauffeuer-Team zu meinem Abschied geschenkt hat. In ihr halte ich zur Zeit „mein Neuseeland“ fest – Andreas liegt hinter mir im Bett. Zur Seite gedreht schweift auch er in Gedanken mit dem Blick in die Ferne ab. Hinter den hohen Bergen ist die Sonne vor rund einer Stunde versunken, der Himmel ist von tiefblau mit Sternen direkt über mir bis Hellblau und schließlich gelb und orange bis tief rot gefärbt. Die Berge stehen, wachen, wie schwarze, massive Wände rings um uns. In weiter Ferne im Tal flimmern orange Lichter um einen kaum noch zu erkennenden See. Eine kleine Ortschaft. Auf dem Weg zwischen Wanaka und Queenstown. FREEDOM. FREIHEIT fühlt sich hier so unglaublich, unfassbar, magisch, phänomenal gut an. DIESER MOMENT GEHÖRT MIR!
Womit haben wir eigentlich auch dieses Wetter verdient? Seit wir auf der von Allen immer als verregnet bezeichneten Südinsel angekommen sind, hatten wir außer am ersten Tag in Picton nur gutes Wetter. Und das schlechte Wetter in Picton zählt nicht, denn das haben wir auf der Fähre aus Wellington mitgebracht… Im Gegenteil knallt die Sonne und sogar ich, der ja alleine durch den australischen Sommer schon kackbraun ist, hohle mir hier einen Sonnenbrand nach dem nächsten ab…
Und womit habe ich eigentlich verdient, ohne Fliegen- und Mückenspray hier draußen zu sitzen? Warum auch immer: Keine Tiere bedeutet auch keine miesen Fliegen und Mücken.
Womit habe ich das verdient? Ich habe gerade wieder aufgeschaut, gen Himmel: Immer mehr Sterne werden am Himmelszelt sichtbar, das tiefe Blau schiebt die wunderschöne Abenddämmerung hinter die Berge. Ich realisiere in dem Moment, dass in Europa die Welt gerade erwacht. Vollkommen – wie vollkoemmen ist sie doch, unsere Welt!? Selten durfte ich so viel pure Schönheit und Natur, so viele Extreme nah (zeitlich wie geografisch) beieinander erleben. Hitze. Ewiges Eis. Übermächtige Wellen und schroffe Klippen. Kilometerhohe Berge. Ozean. Regenwald. Glasklares Wasser. Freiheit. FREEDOM.
Warum fühle ich mich eigentlich so unglaublich gut? Weil dieser Tag so fantastisch war – wie jeder andere Tag ja eigentlich auch. Wobei der Sprung von der Hängebrücke über dem Blue Pool definitiv ein extrem-Highlight ist. Nachdem ich endlich in das eiskalte Wasser gesprungen bin, hat mich der Rush gepackt: gleich vier Mal bin ich von der Brücke gesprungen und jedes Mal hat es von Neuem Überwindung und Konzentration gekostet. GEIL!
Angefangen hat dieser Tag aber mit nicht ganz so viel Action: Die Thunder Creek und Fantail Wasserfälle und ein hunderte von Metern hoher Aussichtspunkt haben den Tag eingeleitet und mittags nach dem waghalsigen Sprung stand Relaxen in Wanaka und am Wanaka See an.
Andreas, der sich auf der Hängebrücke über dem Blue Pool (nachdem er mir von unten bei meinem ersten Sprung einen überschlauen Kommentar nach dem Anderen reingedrückt hat…) gleich mehrfach in die Hosen machte und schließlich nicht gesprungen ist, tat dies – wie er in seiner offiziellen Variante der Geschichte sicherlich berichten wird – aus gutem Grund: Er wollte seine Energie für den Sprung der Sprünge aufbewahren. In Wanaka kann man – wie in zahlreichen anderen Städten Neuseelands auch – aus über vier Kilometern Höhe in die Tiefe springen: Beim Skydive aus einem Flugzeug hinaus fällt man 60 Sekunden ungebremst in Richtung Grund. Erst dann öffnet der Sprungleiter, der wie eine Klette am Rücken des Springers klebt, den Fallschirm, um angenehm zu Boden zu gleiten. Noch nie habe ich (und wie ich ihn kenne werde ich auch nie wieder) Andreas so strahlend und glücklich gesehen: Lachen über das gesamte Gesicht, mega stolz die Hände in Siegerpose gen Himmel gestreckt! Er hat’s geschafft, kann sich nun Master der Lüfte nennen. Gratulation.
Vielleicht ist er auch daher so müde und liegt nun schon schnarchend in Bongo? Der Tag war in der Tat anstrengend und geht mit einem faszinierenden Landschaftsszenario zu Ende. Gute Nacht, Paradies.
Dienstag, 2. Februar 2010

...und die zahlreichen Haeuser der vielen Asiaten, die hier damals wohnten und dem Traum nach Gold hinterherliefen, stehen leer.
Was für eine wunderschöne Kleinstadt! Hier will ich wohnen! Nicht für immer, aber für eine Wintersaison. Umringt von Bergen in einem malerisch schönen Tal habe ich meine bisherige Lieblingsstadt Neuseelands gefunden. Die am Lake Wakatipu gelegene Stadt ist mit ihren 8500 Einwohnern die Adrenalinhauptstadt der südlichen Hemisphäre – vielleicht sogar der Welt. Hier wurde vor über 20 Jahren der kommerzielle Bungysprung erfunden und bis heute spielt Action eine – DIE – große Rolle. Hochsaison ist eigentlich immer: Im Sommer mit Touristen aus der Welt und im eisig kalten Winter, wenn nicht nur die Bergspitzen in zartem Weiß gehüllt sind, mit Ski- und Snowboard-Touristen aus Neuseeland und Australien, denen die (h)eißbegehrten Skifelder Canadas oder Europas zu weit entfernt und die verglichen mit den Kiwi-Feldern winzigen Schneeresorts in Australien zu langweilig und teuer sind. Jetzt im Sommer wird dagegen „nur“ gesprungen: aus 3,6 oder 4,5 km Höhe im freien Fall aus dem Flugzeug, aus 43, 47 oder 143 Metern Höhe an einem Seil gekettet, von Bergspitzen mit dem Paraglyde oder von der Platform auf dem See ins Wasser. Nicht nur ist Queenstown schon jetzt im Sommer übervoll mit Touris – entsprechend hoch ist auch das Angebot an Hotels, Motels und erwartungsgemäß hoch sind die Preise für Übernachtungen und die zahlreichen Adrenalinabenteuer. Trotzdem wirkt diese touristische Hochburg magisch auf mich. Kein bisschen abschreckend, wie es Surfers Paradise in Australien zum Beispiel ist. Nein, Queenstown ist idyllisch. Vielleicht, weil heute bei 30 Grad pausen- und wolkenlos die Sonne scheint. Vielleicht, weil die Gegend malerisch genug ist, dass man die Touris übersehen kann? Vielleicht, weil die Hotels, Motels und Wohnhäuser so gut in die Gegend passen, dass sie die Idylle nur unterstreichen?
Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass ich in Queenstown unbedingt einen Bungysprung machen wollte und wer mich gut kennt und einschätzen kann weiß auch, welchen der drei ich genommen hätte. Doch wer der deutschen Sprache mächtig ist weiß, dass hätte eine potentielle Tat andeutet, die tendenziell eher nicht ausgeführt wird… Und in der Tat: ich bin nicht gesprungen. Weder vom allerhöchsten noch von den zwei anderen hier. Nach meinem Sprung in den Blue Pool gestern wurde der Bungy irgendwie – unsexy. Aber nicht nur der gestrige Adrenalinkick ist schuld: Maßgeblich zu meinem Meinungsumschwung beigetragen hat auch eine nette Unterhaltung mit einer der Skydive Mitarbeiterinnen nach Andreas’ gestrigem Sprung. Sie hat mir mehr oder minder davon abgeraten, den Nevis-Sprung – also den höchsten – zu machen. Dies sei mehr wie der freie Fall aus dem Flieger. Viel spannender seien die kleineren Sprünge, weil man bei denen den – wie sie es nannte – Ground-Rush erlebt. Kaum hat man sich zum Sprung überwunden, fliegen Bäume und Felswände an einem vorbei während der Boden immer schneller immer näher kommt… Weil aber der 143 m hohe Sprung in einer riesigen, kahlen Schlucht ist, erlebt man diesen Ground-Rush eben nicht. (Und schon wieder dieser Satz:) Wer mich kennt… Aber ja, wer mich kennt, der weiß, dass ich großen Wert auf Meinungen Anderer lege und die Ansicht habe, dass gemeinsames Wissen und Kommunikation enorm wichtig sind. Und so hat mich die Information so sehr irritiert – im Positiven – dass ich nach einigem Hinterfragen, einigen Videos (die ich auf YouTube fand) anderer Bungy-Sprünge in Queenstown zum Entschluss kam, nicht zu springen. Umso mehr bedauere ich nicht auch in Taupo gesprungen zu sein, wo Andreas – leider bei Regen – in einer verdammt atemberaubenden Szenerie schon seinen Sprung in die Tiefe machte. Aber: höchstwahrscheinlich wird es „bald“ eine neue Möglichkeit geben, in Taupo zu springen…
Was also machen in der Stadt des Adrenalin, wenn der Bungyjump nicht in Frage kommt, der Skydive schon an anderen Orten gemacht wurde und das Wild-Wasser-Rafting wegen akuter See-Krankheitsgefahr gar nicht in die (Kotz-)Tüte kommt? Warum nicht: wandern gehen? Langweilig? Hahaha! Von wegen! Hier starten weltweit feinste und bekannteste mehrtages Wanderwege, unter anderem der Routeburn Track, der in ca. 3 Tagen über die Bergspitzen auf die andere Seite zu den Milford Sounds führt.
Das Rauschen des glasklaren Wassers, was unweit von mir die massiven Steinkaskaden hinunterfällt, übertönt gerade jedes andere Geräusch, jedes Vogelgezwitscher und jedes Grillenzirpen in diesem tiefgrünen Regenwald. Der ziemlich steil und schroff den Berg hoch führende Wanderweg lässt die ersten Schweißperlen auf meinem Gesicht erscheinen. Die Kühle des Waldes verschwindet schlagartig als ich nach einem langen Marsch an der Routeburn Flat, einem Plateau hoch in den Bergen, ankomme. Am Horizont tragen die kahlen, steinigen Berge weiße Zipfel, die in der Sonne in ganzer Pracht strahlen. Der Weg wird nun steiler, führt an ausgetrockneten Bachläufen und Wasserfällen die schroffen Berge hoch. Das T-Shirt schon lange vom Leib gerissen und an der Hose befestigt, würde ich am Liebsten in diesen kleinen Flusslauf springen. Abkühlen. Doch ich gehe weiter, ein strammer Marsch steil den Berg hoch. Nach guten zweieinhalb Stunden erreiche ich die 2. Hütte dieses Wanderweges. Hier könnte ich übernachten und morgen weiterwandern. Aber der Plan ist anders: es geht am selben Tag den selben Weg zurück. Morgen steht Anderes auf dem Plan.
Mittwoch, 3. Februar 2010
Eigentlich liegen zwischen Queenstown und Milford Sound nur 2,3 bis 2,8 km. Weil es aber Höhenkilometer sind und diese mit dem Auto zu überqueen Ewigkeiten dauern würde, fährt man lieber drumherum. Das sind dann knapp 300 km für die man in der Regel über fünf Stunden braucht…
Andreas hat gestern in seinem Twitter festgestellt, dass die schier unendliche Schönheit dieses Landes in Worte nicht zu fassen sei. Und auch ich ringe um die passenden Worte und bin mir nicht sicher, ob und wie vortrefflich meine Beschreibungen der Erlebnisse sind. Sturzflug ins Paradies – auch der heutige Tag ist voll von Highlights.
Um den Weg zu den Milford Sounds zu beschreiben, benutzen die Autoren des Lonely Planet Worte wie „wow“. Und auch wenn ich diesen Ausdruck schon für die Nordinsel benutzt habe, so scheint dort im Norden alles so ein bisschen zur Lachnummer zu werden – verglichen mit dem, was der Süden zu bieten hat.
Mystisch hing der Nebel heute Morgen über den Feldern und machte daher sogar die sonst wahrscheinlich zwei langweiligen Fahrtstunden zwischen Queenstown und Te Anau und weiter in Richtung Milford Sound interessant. Die ersten rund 150 km führen durch Felder und Wiesen. Das ist – nach so viel wow! – ziemlich langweilig. Doch kurz nach Te Anau laden zahlreiche Stopps auf dem Highway nach Milford Sound ein, einen Wow-Moment nach dem Anderen zu genießen. Während am Lake Mistletow das Zirpen der Grillen und Zwitschern der Vögel noch interessanter als die Landschaft war, konnten wir diese beim Blick über goldgelbe Wiesen in Richtung der schroffen Felsen der Fjörde in weiter Ferne schließlich auch genießen. Der Blick läd ein, die Seele schweifen zu lassen.
Die Mirror-Lakes (Spiegel-Seen) sind zuerst Stress pur. Doch das legt sich nach zehn Minuten: Von Queenstown fahren zehn (!!!) unterschiedliche Reiseveranstalter mehrmals täglich nach Milford – und stoppen an all den tollen Punkten unterwegs, die nicht zu weit von der Straße entfernt liegen. Doch die Zeit, die die Bustouristen haben ist begrenzt. Wir teilen sie uns selbst ein.
Mit Moos bewachsene Bäume und Felsen machen den Gunn Lake Nature Walk zu einem romantisch abwechslungsreichen Spaziergang. Seele baumeln lassen und genießen! Schließlich kommen überall um uns herum die bis zu zwei Kilometer hohen schroffen Felsen näher und näher. Das Grau der Steine lässt sie mächtig erscheinen und auch wenn es hier schon über eine Woche nicht geregnet hat – sie nennen das mittlerweile Dürre – tauchen zahlreiche hunderte von Metern hohe Wasserfälle auf. Majestätisch!
Rund 20 km vor Milford Sounds wird es schließlich und endgültig surreal: In der Mittagshitze stoppen wir auf dem Highway vor einem riesigen Felsen, links neben uns: Schnee. Wahrscheinlich von den Bergspitzen durch die konstante Hitze den Berg runter gekommen, liegt neben dem Highway ein riesiger weißer Brocken. Und wenn das nicht schon genug schräg wäre: Der Highway verschwindet hier im Felsen.

Homer Tunnel... Naja, sie nennen das Tunnel. Links, rechts und vor uns: Massive Berge und Eis. Im Sommer Neuseelands...

Rechts vom Tunnel stuerzt Wasser das Bergmassiv hinunter. Oben auf dem Berg muessen sogar jetzt im Sommer nach massive Eisvorraete liegen, denn es hat hier sehr lange nicht geregnet und das Wasser fliesst trotzdem. Lange kein Regen ist untypisch fuer diese regenreiche Region. Unten neben der Strasse: Ein riesiger Brocken Eis. Ueberbleibsel aus dem Winter.

Ein Tunnel neben dem Tunnel: Wer hier rein geht muss damit rechnen, vom broeckelnden Eis erschlagen zu werden. Betreten lieber nicht. Oder: auf eigene Gefahr...
Sie nennen das Tunnel, Homer Tunnel – ich nenne das lieber Loch und bin gleichzeitig froh, dass der ADAC nicht auch Tunnel auf der anderen Seite der Welt checkt. Das Ergebnis wäre verheerend. Keine einzige Lampe existiert in dem weit über einem Kilometer langen Tunnel, Wasser tropft von den schroffen, scharfen Wänden und der Decke, der Asphalt kommt einer Schotterpiste gleich…
Am Besten erkundet man die Milford Sounds in einem Boot, mit dem man den Fjörd rauf und runter fährt. Bis zu zwei Kilometer hoch ragen hier die Felsen aus dem Wasser, ihre Spitzen weit über der Vegetationsgrenze hinweg. Andreas fühlt sich – wie so oft in diesem Land – an Herr der Ringe zurückerinnert. Ich finde es einfach nur unbeschreiblich wunderschön.

Zurzeit herrscht hier Duerre sagt der Kapitaen, der uns heute sicher durch die Milford Sounds schippert. Duerre? Wie sieht es hier denn dann bei Regen aus? ... Unendlich scheinen die Wasservorraete auf den Bergen zu sein: Ein Wasserfall endet im Ozean...
Weil durch den vielen Regen (bis zu 200 Regentage im Jahr mit bis zu sieben Metern Regenfall), der als stürzender Bach oder Wasserfall die Felsen hinunter im Meer landet, eigentlich immer eine bräunliche Süßwasserschicht auf dem Salzwasser liegt (Süßwasser ist leichter als Salzwasser), ist es schon in geringen Tiefen extrem Duster. Wie eine Decke nimmt das bis zu 15 Meter tiefe Süßwasser dem Salzwasser auch noch die wenigen Sonnenstrahlen, die es erhaschen könnte. Als Folge gleicht die Unterwasserwelt in ganz geringer Tiefe der Ozeanwelt in rund 60 Metern Tiefe. Im Unterwasserobservatorium kann man in rund acht Metern Tiefe beispielsweise Schwazkorallen beobachten – eigentlich sonst nur für U-Boot-Crews sichtbare Korallen, die im Ozean in bis zu 1500 Metern Tiefe wachsen. Auch Haie, Robben und Delfine sollen vereinzelt an dem natürlichen Aquarium zum Menschen gucken vorbeischwimmen. Uns wollten sie heute leider nicht sehen.

Traumhafte Unterwasserwelt: Was man hier direkt unter der Wasseroberflaeche sieht, ist eigentlich erst in viel tieferen Ebenen sichtbar...

Traumhafte Unterwasserwelt: Was man hier direkt unter der Wasseroberflaeche sieht, ist eigentlich erst in viel tieferen Ebenen sichtbar...

Dieser Bus ist keine optische Taeuschung!
Touristenbusse karren hunderte und tausende von Touristen jeden Tag aus Te Anau oder Queenstown nach Milford Sound und wieder zurueck.
Nur rund 150 Menschen leben in Milford Sound, was eigentlich nur aus dem kleinen Hafen, einem großen Besucherparkplatz und einer Kneipe besteht. Sonst gibt es hier nichts zu tun und so war uns klar, dass wir gen Abend wieder in Richtung Te Anau aufbrechen. Kurz vor dem „Tunnel“ bemerken wir zahlreiche geparkte Autos und entdecken in weiter Ferne in den Felswänden Menschen: Ein natürlicher Pool wurde von einem der Wasserfälle geschliffen. Wir nehmen die Einladung gerne an…

Unentwegt auf die grosse Felswand zusteuernd... Das prasselnde Wasser ist wunderschoen anzuschauen... Doch warum stehen am Strassenrand so viele Autos? Wir entdecken zwei Maedchen im Felsen, die uns herwinken...

Keine Ahnung wie die junge Dame heisst, die hier mit mir im Wasser war... Die junge Crew, die sich hier am Abend vergnuegt, arbeitet tagsueber in Milford Sound. Drei Optionen gibt es fuer die Abendgestaltung in dem 150-Seelen-Paradies: Kneipe, DVD oder Pool...
Auf der anderen Seite der 1 km langen Höhle begegnem wir unserem ersten Tui, einem Bergpapagei, der viel zu sozialisiert ist, bevor wir schließlich unser Quartier an den Humboldt Falls aufschlagen...
Donnerstag, 4. Februar 2010
Erst heute werden die Humboldt Falls zum Highlight. Der Weg zur Aussichtsplatform, den wir gestern Abend gingen, führte uns nicht nah genug an die Fälle. So klettern wir morgens einfach den Flusslauf hoch, um der natürlichen Dusche näher zu kommen…
Hier am Highway nahe Milford Sounds endet auch der Routeburn Track, den wir ja schon am Dienstag angefangen haben. Warum nicht auch das Ende mitnehmen? Der letzte Teil des Wanderweges führt (rückwärts gewandert) auf die Bergspitze eines knapp 1000 Meter hohen Berges mit fantastischen Blicken über die Fjörde, die Berglandschaft und zahlreiche Täler.

Erklommen: Die Bergspitzen sehen von hier oben anders aus. Die Sicht ist atemberaubend. Und das Wetter auch wieder!

Auf dem Weg zurueck entdecke ich diesen riesigen Regenwurm. Die Wasserflasche ist eine 1,5 Liter Flasche... Massiv!
Nach einer Mittagspause am Lake Te Anau schieben sich die ersten tiefgrauen Wolken auf dem Weg nach Clifden vor die Sonne. Unfair, so finden wir, und verschwinden in einer Höhle. Unglaublich, dass Menschen auf dieser Insel Geld für Höhlenwanderungen ausgeben, wo wir schließlich in der vierten (oder so) Höhle sind, die für alle offen zugänglich ist. Die Clifden Caves, Kalksteinhöhlen, sind ein durch Gänge, Schläuche und Tunnel miteinander verbundes Höhlensystem unter einem Berg, durch das man in gut zwei bis drei Stunden kriechen kann. Anders als die bisher von uns erkundeten Höhlen sind die Wege hier markiert – aber das ist auch gut so, denn so unglaublich eng verzweigt und verwoben wie dieses System ist, hätten wir sonst wahrscheinlich Tage in den Höhlen verbracht. Mal geduckt, mal kriechend auf allen Vieren – durch Wasser, an matschigen Wänden vorbei und über rutschige Steine; ein einmaliges Erlebnis, das wohl kaum ein Tourist erlebt: In den drei Stunden sind wir wie so oft alleine unterwegs. Die Höhlen sind kaum beworben und auch die netten Damen vom Info-Point des Department of Conservation (was so etwas wie das Naturschutz-Büro ist), was die Nationalparks, Reservate und eben auch die Höhlen betreut, mussten recht lange nach der entsprechenden Broschüre suchen…

Jetzt nicht ausrutschen: Ungesichert und ohne weitere Vorsichtsmassnahmen. Abenteuer pur. Eiskaltes Neusseland...
Auf der anderen Seite des Höhlenmonsters angekommen begrüßt uns erneut die Sonne und macht den letzten Abschnitt der Reise an der 111 Jahre alten 111 Meter langen Clifden Suspension Bridge vorbei nach Invercargill etwas abwechslungsreicher. Ansonsten wurden die letzten Kilometer erschreckend langweilig: laaaaanges Geradeaus leutet eine neue Reisephase ein. Im Rückspiegel verschwinden die schroffen Felsen mit den weißen Schneemützen…
Invercargill, die südlichste Stadt Neuseelands, wird im Lonely Planet als langweilig beschrieben und auch das hier zur Welt gekommene Mädchen, das wir gestern in dem Pool am Tunnel treffen, hat nicht viel für die Stadt übrig. So werden wir Invercargill wahrscheinlich genau dafür nutzen, wofür es gut ist: Zum Aufstocken an Vorräten und Benzin, bevor es in Richtung Ostküste und Catlins geht. Durchaus Sinn macht es daher auch, unter dieses Kapitel der Reise einen Schlussstrich zu ziehen.
Mein Fazit?
Das Paradies.
Zum Greifen nah. Mittendrin.
Die letzten Tage haben verzaubert.
Mir fehlen die Worte.
Freier Fall ins Paradies. Der Moment gehört mir.
























































































































































[...] Ganz aktuell: Freier Fall ins Paradies. Der Moment gehoert mir. [...]
[...] auf der Suedinsel. Im Abel Tasman National Park habe ich mein Slogan fuer 2010 gefunden: Freedom. Wie im freien Fall fuehlte ich mich schliesslich, als ich wagemutig von hohen Bruecken in eisiges Wa…, um schliesslich eines der schoensten Naturhighlights zu erleben: Pinguine, die in der Wildnis zum [...]
[...] zu warten, das Mekka des Adrenalins in Neuseeland und Geburtsort des kommerziellen Bungee Jumps.Aber dann habe ich mich doch dazu entschlossen, nicht zu springen. Queenstown hat sich irgendwie uns… verglichen mit der wunderschoenen Bungee Jump Anlage in [...]
[...] birthtown of the commercial bungy jump and adventure mekka for the adrenalin seeking Kiwi-tourist. However, back then I decided not to jump. Queenstown seemed unsexy compared to the wonderful Bungy Jump area in [...]