Wie eine lange, schwarze Schlange windet sich der Asphalt seinen Weg durch die Region. Wir fahren an Feldern mit Kuehen und Schafen entlang, leerstehende Haeuser, Fluesse mit glasklarem Wasser und wunderschoene Seen. Gruene Huegel und Berge soweit das Auge reicht. Nach einem Wochenende voller Abenteuer, intensiver Gespraeche, langen Wanderungen und dem hoechsten Sprung meines Lebens sitze ich nun im Doppeldeckerbus auf meinem Weg zurueck nach Auckland. Wenn ich aus dem Fenster schaue, realisiere ich mal wieder die Schoenheit Neuseelands. Zuhause ist, wo ich bin. Zuhause war dieses Wochenende Taupo. (Click here for the version in
)
Als Andreas und ich im vergangenen Sommer durch Australien reisten, waren wir auch in Taupo. Damals waren Jeroen, Mies und Marieke dabei und wir haben das Tongariro Crossing geplant, eine der weltweit schoensten und Neuseelands bester Tageswanderung(en). Leider haben schlechtes Wetter, Wind und Hagel uns daran gehindert, damals den 20 km langen Wanderweg durch das unstetige Terrain zu machen. Wir mussten die Stadt nach drei Regentagen verlassen. Andreas machte schnell noch seinen Bungy-Jump – und selbst wenn das Wetter ziemlich mies war, so was das sicherlich einer der besten Tage seines Lebens!
Ein Jahr und wenige Monate spaeter bin ich erneut in Taupo. Die Sonne scheint als ich mit dem InterCity Bus ankomme. Judith, die ich aus Christchurch kenne und in den letzten Wochen zu Forschungen in Wellington war, ist wenige Minuten vorher mit einem Bus aus dem Sueden angekommen. Sie begruesst mich mit einer dicken Umarmung und einem breiten Lachen auf ihrem Gesicht. Dieses Wochenende sollte legen- wait for it! – dary! werden! ![]()
Tongariro Crossing: Eine der weltweit besten Wanderungen!
Auch wenn der Alarm an diesem Samstag bereits um viertel vor fuenf klingelte, sind Judith und ich mit einem dicken Lachen auf dem Gesicht aufgewacht! Endlich, heute war der Tag! Nach einer schnellen Dusche haben wir angefangen…

…unser Lunchbag fuer den Tag zu packen.
Und weil wir den Bus zu dem Startpunkt des Wanderweges nehmen mussten und weil der Wanderweg soooo lang ist, mussten wir schon sehr frueh…
…an der Bushaltestelle sein. Sechs Uhr morgens in Taupo, New Zealand…
Als wir an dem Parkplatz ankamen, von dem die Wanderung starten sollte, war schon heller Sonnenschein. Perfektes Wetter fuer den anstrengenden Wanderweg.
Die Tongariro Ueberquerung ist daher so besonders und wunderschoen, weil der Grossteil ueber Vulkangestein geht. In der Gegend um den Tongariro Berg gibt es zahlreiche Vulkane und Krater, die theoretisch jede Minute ausbrechen koennten. Der letzte Vulkanausbruch ist auch nur wenige tausend Jahre her – keine lange Zeit in geographischen oder geologischen Kreisen… Wie auch immer: fuer heute nahmen wir uns vor, nicht ueber die Option von heisser Lava bedeckt zu werden, nachzudenken!


Weil Judith total interessiert an Vulkanen ist (sie erforscht Vulkanasche an der University of Lincoln in der Naehe von Christchurch), hatte sie die ganze Zeit ein breites Lachen auf dem Gesicht…


Dieser Weg fuehrt alle Wanderer in Richtung Berge. Doch in Wirklichkeit kann der Anblick taeuschen: Der Weg ist lang und anstrengend und der allergroesste Teil auf Lava-Stein. Wanderschuhe ein Muss…
Nur wenige Minuten spaeter aendert sich das Terrain und die Gegend wird zur oft beschriebenen Mond-aehnlichen Landschaft. Wenn man sich die Bilder anschaut wundert man sich sicherlich nicht mehr, woher der Name kommt… Auf dem Bild oben sieht man Judith, wie sie den Berg hinauf laeuft. Im Hintergrund weit entfernt sieht man den Weg mit einigen Menschen (sehr klein)…
Es ist wohl einer der bekanntesten Berge auf der Welt: Der Schicksalsberg. Peter Jackson nutzte den Berg in seiner Der Herr Der Ringe Verfilmung.
Der richtige Name des Berges ist aber Berg Ngauruhoe.
Als wir am oben abgebildeten Suedlichen Krater ankamen…
…sind wir bereits von 1150 Metern ueber Normal Null (an dem Parkplatz, von dem die Wanderung abging) auf 1660 Hoehenmeter gestiegen… Aber das war noch nicht der hoechste Punkt fuer den heutigen Tag. Auf dem Foto oben kann man sehen, wie klein die Leute wirken, die durch den Krater wandern. Extrem…
Am Rand des Roten Kraters angekommen hiess…
…dass wir mittlerweile auf 1886 ueber Normal Null geklettert sind. Und weil die Temperaturen hier steigen und fallen aber in der Regel eher in der Naehe der Null-Markierung auf dem Thermometer sind…
…haben wir ersten Schnee gefunden!
Einige Tage vorher gab es Schneefall. Weil aber die Temperaturen immer noch recht hoch sind, ist der meiste Schnee bereits geschmolzen als wir hier oben ankommen. Na immerhin war noch genug da, um im Schnee zu stehen…
Mount Ngauruhoe’s Bergspitze ist roetlich. Verantwortlich dafuer ist der hohe Eisengehalt im Gestein.
Selbst wenn wir bisher mit dem Wetter ziemlich Glueck hatten, so konnten die Wolken nichts Gutes bedeuten…
Na immerhin wurden die Bilder dafuer besonders schoen.
Wir haben uns fuer einen kleinen Umweg entschieden: Vom normalen Weg ab fuehrt ein Weg zur Spitze von Mount Tongariro, die rund 2 km ueber Normal Null liegt. Auf dem Weg sehen wir den beruehmten Blue Lake. Ausserdem sieht man auf dem oberen Bild schwarzes Lavagestein: Verglichen zu den anderen Steinen, auf denen wir stehen, ist dieses noch sehr jung – also nur wenige tausend Jahre alt.
Sehr cool! Hoch ueber den Wolken: 1967 Meter ueber Normal Null habe ich nicht nur Sicht auf Mount Ngauruhoe sondern entdecke Mt. Ruapehu zum ersten Mal waehrend unserer Wanderung.
Chacka! Hoch ueber den Wolken – zwischen Lavasteinen und Schnee…
Auf dem Weg zurueck zum eigentlichen Wanderweg sehen wir…
…den Blauen See nochmal, bevor er total in en Wolken verschwindet!

Der Rote Krater hat seinen Namen aufgrund seiner roten Faerbung bekommen. Und gerade heute bei so klarem, blauem Himmel…
…kann man die Farben wunderbar ausmachen, die einen tollen Kontrast bilden.
Auf dem Weg bergab stossen wir auf die wunderschoenen Emerald Seen.
Die Seen sind mit Wasser gefuellte Krater, die nach Explosionen entstanden…
…und in denen das Wasser extrem gruen ist…
…weil es entsprechende Mineralien enthaelt…
…die aus dem Thermalgebiet in dieser Region entweichen.
Da es eigentlich schon lange Mittagszeit war und wir langsam vor Hunger starben, haben wir uns mit Karen hingesetzt, um eine kurze Mittagspause einzulegen. Karen haben wir auf der Wanderung getroffen…
Als haetten wir es geplant: Das Mittagessen noch in prallem Sonnenschein verbracht, so aenderte sich das Wetter beim Abstieg rapide. Was wir sehen konnten, waren…
…Wolken. Aber vielleicht war das auch besser so, denn dadurch konnten wir nicht sehen, wie lange der Weg nach unten noch war… SEHR lang…
Je weiter wir den Berg runter kamen, desto gruener wurde es.

Judith und Karen standen ploetzlich in einem Regenwald. Unerwartet…
Nach mehr als acht Stunden und fast 24 km (inklusive des Umweges zur Spitze von Mount Tongariro) sind wir auf rund 750 Metern ueber Normal Null am Ende der Wanderung angekommen.
Eine wundervolle Couchsurfing-Erfahrung.
Das Tangariro Crossing war sicherlich eine wundervolle Erfahrung, doch an diesem Wochenende gibt es noch eine andere Sache, die ich nicht vergessen werde. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den grossen Unterschied machen. Judith und ich wollten in Taupo nicht in einer Jugendherberge uebernachten. Ich habe ihr daher von couchsurfing und der Idee dahinter erzaehlt und wir haben Lesley auf der Platform gefunden, die seit einigen Jahren in Taupo wohnt. Sie war gerne unser Host und es stellte sich heraus, dass die 64-Jaehrige einer der besten und wundervollsten Gastgeber war. Sie hat uns nicht nur wie selbstverstaendlich vom Busbahnhof abgeholt und eine Tour durch Taupo gegeben: In ihrem wundervollen Holzhaus waren wir herzlich Willkommen und fuehlten uns sofort wie zuhause. Wir verbrachten tolle Abende mit Wein und leckerem Essen und Judith und ich hatten einen Raum nur fuer uns. Und als ob es das normalste auf der Welt sei: Das Bett war frisch bezogen als wir ankamen. Alles war perfekt und wir haben uns sehr wohl gefuehlt.
Waehrend Lesley Eis fuer den Nachtisch vorbereitet hat…
…hat Cindy, eine andere Couchsurferin, in der Kueche ausgeholfen. Judith hat in der Zwischenzeit…
…eine wunderbare Person auf der anderen Seite der Welt angerufen…
Am neachsten Morgen zeigt uns Lesley die Aratiatia Rapids in der Naehe von Taupo…
…die aber mittlerweile kein Wasser mehr fuehren, weil eine grosse Firma…
…Einen Damm gebaut hat. Wasser fliesst nun in einem Tunnel ab und daraus wird Strom erzeugt; Nachhaltige Energie in Neuseeland. Aber weil die Rapids immer eine touristische Attraktion waren, hat sich die Firma dazu entschlossen…
…den Damm taeglich mehrmals zu oeffnen, damit die Menschen…
…die Rapids immer noch geniessen koennen, die sich dann innerhalb von 15 Minuten langsam fuellen…
…Lesley hat uns dazu viele Geschichten erzaehlt!
Und die Schafe haben gehorcht!




Eines Abends als wir einen Tee hatten, hat Lesley mich ueberrascht: Sie wollte lediglich eine Tasse heisses Wasser. Zum Trinken? Ich dachte, dass sie mich verarscht und musste probieren. Aber in der Tat: Alles was in der Tasse war, war heisses Wasser – und es hat erstaunlich gut geschmeckt. Selbst wenn ich nie gedacht habe, dass heisses Wasser so lecker sei, hat es doch Sinn gemacht, nicht? Wir trinken immerhin auch kaltes Wasser, warum dann nicht auch warmes? Da muss also doch nicht immer ein Teebeutel mit in den Becher!? – Das heisse Wasser werde ich wohl nie vergessen und wahrscheinlich wird es sogar auf meiner “Was koennte ich heute Abend trinken”-Liste landen…
Three – Two – One – Bungy
Das steht auf meiner To-Do-Liste schon seit – na zumindest seitdem ich zum ersten Mal in Neuseeland war. Ein Bungee Sprung. Als Andreas damals den Sprung hier in Taupo machte, habe ich mich dazu entschlossen auf Queenstown zu warten, das Mekka des Adrenalins in Neuseeland und Geburtsort des kommerziellen Bungee Jumps.Aber dann habe ich mich doch dazu entschlossen, nicht zu springen. Queenstown hat sich irgendwie unsexy angefuehlt verglichen mit der wunderschoenen Bungee Jump Anlage in Taupo.
Also habe ich mich dieses Mal dazu entschlossen, den Sprung hier zu machen. Bei sogar viel schoenerem Wetter als wir damals hatten. Und ich habe es gemacht, wie man an Fotos und vor allem Video sehen kann!
47 Meter ueber dem Boden auf der Platform…
Was ein Erlebnis!
Und der Dipp ins Wasser inklusive! Warum schaut ihr euch…
…das Video nicht selbst an?
Ich will Aepfel!
Cindy hat mich an diesem Wochenende auch ueberrascht. Die Chinesen, die eine andere Couchsurferin ist und an dem Tag bei Lesley angekommen ist, an dem wir das Tongariro Crossing machten, hat viel Zeit mit uns verbracht. Wir haben tolle Abende mit leckeren Essen verbracht und hatten sehr anregende Gespraeche.
Am Montag Abend, dem Abend nach dem Bungee Jump, haben Cindy und ich uns darueber unterhalten wie meine Zeit hier in Neuseeland bisher war und ueber ihre Erwartungen gesprochen. Sie kam erst vor wenigen Wochen auf einem Working Holiday Visum an. Ich habe ueber meine Erfahrungen bei der Jobsuche erzaehlt und sie sprach von Dingen, die sie gerne machen und sehen wollte. Recht schnell wurde das Gespraech eine anstrengende (aber immer noch tolle) Diskussion ueber das Aufgeben gegen Kaempfen um das, was man will – ohne es unbedingt zu bekommen. Auf einer Serviette notierten wir unsere Ideen und nutzten Fruechte als Metaphern. Ich moechte Aepfel, doch alles was ich bekommen kann sind Orangen und Bananen. Und Feijoas – die vor allem in Neuseeland. Es ist schwer zusammenzufassen, was in einer der besten Diskussionen seit langer Zeit gesagt wurde, wie auch immer, vier Stunden mit Cindy in der Kueche sind wie im Flug vergangen. Am Ende der Diskussion konnte ich mich zuruecklehnen denn ich wusste, dass die Entscheidung, die ich kuerzlich traf, genau die richtige gewesen ist…
Als Judith am Dienstagmorgen gegen 10 Taupo verliess, sind Cindy und ich an dem wunderschoenen Tauposee spazieren gegangen,…
…der Flaechenmaessig der groesste in Neuseeland und zweitgroesster in Ozeanien ist.
Und erneut hatten wir wundervolle Konversationen…



…bis ich schliesslich auch meinen Bus nach Auckland genommen habe.














[...] The asphalt winds its way through the region like a long, dark snake. We are passing fields with cows and sheep, deserted houses, rivers with water as clear as glass and pristine lakes. Green hills and mountains as far the eye can see. After a weekend full of adventure, fruitful conversations, long hikes and the highest jump of my life I am sitting in a double-decker bus on my way back to Auckland. When I am looking out of the bus windows I realize again how wonderful this country is! Home is where I am. Home was Taupo last weekend. (Fuer hier klicken.) [...]